Stillförderung Schweiz

Fachtagung 2019 Lausanne

24.  September 2019, nachmittags im Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) (Tagungssprache französisch)

Eltern unterstützen, Stillen erleichtern!

Drei Podiumsgespräche zu den Themen Die Stellung des Vaters bei der Unterstützung des Stillens, Die Stellung der Peers bei der Unterstützung des Stillens sowie Stillen und Erwerbsarbeit – zwischen Gesetz und Realität. Jedes Thema wird von drei Referentinnen oder Referenten aus verschiedenen Blickwinkeln vorgestellt und anschliessend diskutiert.





3.5 L CERP
2.5 e-log BSS (auch anerkannt von SHV und SBK)
1 SVDE
4 Credits SGP

Wir danken Gesundheitsförderung Schweiz, Medela AG und EFFIK für die Unterstützung.
 



Die Rolle des Vaters beim Stillen
Valérie Avignon, Hebamme, MSc in Midwifery
Sarah Viquerat, Pflegefachfrau Neonatologie, Stillberaterin IBCLC

In den meisten Artikeln und Studien, die den Zusammenhang zwischen dem Stillen und dem Vater untersuchen, wird dieser als «ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Stillens» (Noirhomme-Renard et al., 2015) oder als «ein zentraler Akteur bei der Unterstützung der stillenden Frau» (Wagner et al., 2011) beschrieben. Zudem hat die 2012 in Frankreich durchgeführte Epiphane-Studie (Salanane, de Launay, Boudet-Berquier & Castetbon, 2012–2013) gezeigt, dass die Einstellung des Partners einen ähnlich positiven Einfluss auf die Stillpraxis haben kann wie Geburtsvorbereitungskurse oder Hautkontakt in der ersten Stunde nach der Geburt.

Überblick über die Stellung des Vaters und wie dieser seine Rolle beim Stillen wahrnimmt, über die Sicht der Frau bezüglich seiner Rolle sowie Überlegungen zur Pflegepraxis.

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Die Stellung des Vaters in Bezug auf das Stillen in der Schweiz
Gilles Crettenand, nationales Programm MenCare Suisse, männer.ch

Die Weltgesundheitsorganisation hat im Jahr 2015 das Engagement von Männern bzw. Vätern während der Schwangerschaft, der Geburt und nach der Geburt zu einem vorrangigen Ziel erklärt.

Die Haute École de Santé Vaud (HESAV) und männer.ch wollten im Rahmen des Programms MenCare herausfinden, wie die (zukünftigen) Väter die Realität in dieser wichtigen Phase ihres Lebens erlebt und gefühlt haben. Im Film «La naissance d’un père» (Die Geburt eines Vaters, www.naissancedunpere.ch) kommen 18 Männer und 14 Fachleute zu Wort.

Welche Stellung haben diese Männer 2019 in der Schweiz? Allgemein herrscht die Ansicht, dass die Väter immer mehr anwesend sind. Aber in welcher Funktion? Haben sie wirklich mit den (zukünftigen) Müttern und den Fachleuten am Geschehen rund um die Geburt teil, oder stehen sie bloss daneben?

Zur Einführung in das Thema werden wir den dritten Teil des Films ansehen («Der Einstieg des Vaters ins Familienleben»), in dem Fragen zum Stillen behandelt werden. Danach werden wir Best-Practice-Vorschläge diskutieren, die aus der Literatur sowie aus den im Projekt «La naissance d’un père» angestossenen Gesprächen mit Eltern und Fachleuten des perinatalen Bereichs stammen.

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Erfahrungsbericht: Die Stellung des Vaters in der Neonatologie
Frau Gomes und Herr Mabon, Eltern von zwei sehr früh geborenen Mädchen, haben sich bereit erklärt, über die Zeit in der Neonatologie zu sprechen und ihre Erfahrungen in Bezug auf das Stillen zu teilen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Rolle, die der Vater in solch speziellen Situationen übernehmen kann.

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Allgemeine Übersicht zum Peer Support in der Gesamtbevölkerung und bei den hospitalisierten Neugeborenen (Alaïs-Studie)
Dr. Céline Fischer Fumeaux, Kinderärztin, Fachärztin Neonatologie
Pascaline Urfer, Pflegefachfrau Neonatologie, Stillberaterin IBCLC

Muttermilch bietet dem Kind in den ersten Lebensjahren eine ideale Ernährung. Die Statistik zeigt jedoch, dass die Stillraten nach dem dritten Monat deutlich zurückgehen und dass das Stillen besonders bei Frühgeborenen mit Schwierigkeiten verbunden ist. Wie können Eltern beim Beginn und vor allem beim Weiterführen des Stillens unterstützt werden? Peer Support kann in verschiedenen Situationen eine wertvolle Hilfe sein, insbesondere in Kombination mit professioneller Unterstützung. Wir werden seine wichtigsten potenziellen oder erwiesenen Vorteile für stillende Mütter zusammenfassen, sowohl für solche mit gesunden Säuglingen als auch für solche mit zu früh geborenen und/oder hospitalisierten Kindern. Zudem werden wir kurz eine europäische Studie zu diesem Thema vorstellen, die derzeit am CHUV durchgeführt wird (Alaïs-Studie).

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Peer Support in der Schweiz
Natanaëlle Perrion, PeerWork Schweiz

Peer-Ansätze sind in vielen Bereichen des Gesundheitswesens (Förderung, primäre, sekundäre oder tertiäre Prävention) im Trend. Als Ergänzung zur Arbeit der ausgebildeten Fachkräfte können sie viele Vorteile bieten. Peer-Ansätze werden von massgeblichen Organisationen empfohlen und haben sich oft als wirksam erwiesen, insbesondere bei der Stärkung des Erwerbs neuer Fähigkeiten.

Wir geben einen kurzen Überblick über diverse mögliche Ansätze, ihre Wirkungsweisen und die verschiedenen Qualitätskriterien, die es zu beachten und nach Möglichkeit umzusetzen gilt, um den Erfolg von Projekten im Bereich des Stillens zu gewährleisten. Dazu gehören beispielsweise Rekrutierung, Ausbildung, Supervision, Evaluation, Teilnahme und Finanzierung.

Zudem wird der Verein PeerWork Schweiz vorgestellt, der in diesem Umfeld tätig ist und dessen zukünftiges Selbstbewertungsraster von Nutzen sein könnte. Wenn genügend Zeit bleibt, werden wir schliesslich erste Resultate eines Pilotprojekts vorstellen und diskutieren, in dessen Rahmen Peers ermuntert wurden, Frauen bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz und beim Weiterstillen zu unterstützen.

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Peer Support in der Neonatologie
Cristina Guillet-Trovato, Verein Né Trop Tôt und Café-au-Lait

Mehr als 800 Kinder werden jedes Jahr aufgrund einer Frühgeburt oder anderer gesundheitlicher Probleme auf der Neonatologie hospitalisiert. Diese Zeit von Trennung, Stress und Krankheit ist sehr belastend für die ganze Familie und kann sich negativ auf das Stillen auswirken. Die Unterstützung der Eltern, auch auf emotionaler Ebene, ist in solchen Fällen von grosser Bedeutung. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2016 eine Gruppe von Stillpatinnen ins Leben gerufen. Im Rahmen des wöchentlichen «Café-au-lait» treffen sie sich mit Eltern bei einem kleinen Imbiss, um zu diskutieren, Unterstützung anzubieten und Erfahrungen bezüglich des Stillens in der Neonatologie auszutauschen.

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Stillen und Erwerbsarbeit: Was steht im Gesetz und wie können die Mütter unterstützt werden?
Isabella Meschiari, Juristin, Beraterin für Fragen betreffend Stillen und Arbeit bei Stillförderung Schweiz

Die Gesetze halten noch nicht Schritt mit der Entwicklung der Gesellschaft. Wie bei anderen die Frauen betreffenden Themen geht die Politik auch hier von einem Familienmodell und einer Frauenrolle aus, die veraltet sind und nicht mehr die heutige Realität abbilden.

Ein Mutterschaftsurlaub von nur 14 Wochen, bezahlte Stillpausen, die in manchen Fällen schwer durchzusetzen sind und nicht für alle Frauen gelten, oder ein gewisser Widerstand der Arbeitgeber gegen Mütter: Diese Faktoren ebnen den Weg nicht für Frauen, die ihre Kinder stillen, weil sie nur das Beste für sie wollen, aber gleichzeitig ihre wirtschaftlichen und politischen Tätigkeiten weiter ausüben möchten.

Die konkreten Fälle, die präsentiert werden, sind traurige Geschichten, die verschiedene Frauen unabhängig von ihrer beruflichen Stellung betreffen. Die schönste Zeit ihres Lebens wird zu einem Albtraum, wenn sie die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit planen.

Damit Frauen nicht wegen des Stillens darauf verzichten, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist es unerlässlich, ihnen korrekte Informationen und Instrumente zur Durchsetzung ihrer Rechte zur Verfügung zu stellen. Nur wenn sie im Berufsleben bleiben, können sie dazu beitragen, dass das Stillen auch in der Arbeitswelt zum Normalfall wird, und zeigen, dass sich die beiden Welten verbinden lassen.

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Wirtschaftliche Aspekte der Unterstützung des Stillens
Valérie Avignon, Hebamme, MSc in Midwifery

Die Schweiz verfügt über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, sollte sich aber gemäss OECD an die Zunahme chronischer Krankheiten (Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes usw.) anpassen: Die Schweiz muss sich auf die Prävention von Krankheiten konzentrieren.

Zahlreiche Studien belegen die positive Wirkung des Stillens auf die Gesundheit von Mutter und Kind. Allerdings sind junge Mütter mit vielen Herausforderungen konfrontiert, die es ihnen erschweren, die Empfehlungen der WHO betreffend Stillen zu befolgen (ausschliessliches Stillen während sechs Monaten sowie eine gesamte Stilldauer von zwei Jahren und darüber hinaus). Schwierigkeiten zu Beginn, mangelnde Unterstützung sowohl im beruflichen wie im persönlichen Umfeld oder die Wiederaufnahme der Arbeit sind Faktoren, die zu einer kürzeren Stilldauer beitragen können.

Die Unterstützung des Stillens ist jedoch auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine rentable Investition und sollte daher im Rahmen der Gesundheitspolitik gefördert werden.

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